Heiteres

Einige Gedichte...

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Der Unterrichtsbesuch - Teil 1

erstellt am 26. Oktober 2013


Der Unterrichtsbesuch


Noch vor dem Anfang der Geschichte,
von der ich heute hier berichte,
sei eines, was ihr sicher fragt,
schon klipp und klar vorweg gesagt:

Es ist von dem, was ich geschrieben,
so gut wie gar nichts übertrieben!
Vielmehr in Schulen unsrer Zeit
nur allzu oft die Wirklichkeit.

Die Bildung hat in unsern Tagen
gewaltig Grund sich zu beklagen:
Man achtet, fördert sie nicht mehr,
sich zu entfalten fällt ihr schwer,

doch nicht an Eltern ist’s gelegen,
auch krankt sie nicht der Lehrer wegen!
Die Politik! - sie ist verkehrt,
denn Bildung ist für sie kein Wert,

der wirklich wesentlich und wichtig!
Politikergeschwätz ist nichtig,
weil niemand darauf bauen kann.
Allein auf Taten kommt es an -

doch nicht für Medien nur und Presse!
Den Kindern gelte das Int’resse
und sie zu fördern sei das Ziel!
Wahrhaftig: Viel steht auf dem Spiel

und manches ist wohl schon verloren:
Aktion „U-Plus“ war tot geboren,
die Ganztagsschule und „G8“,
vom „Sparzwang“ längst zur Farce gemacht.

Doch dies: Am falschen Ort zu sparen,
führt manchesmal zu sonderbaren,
grotesken Folgen und man denkt,
dass oft wohl Schalk die Dinge lenkt,

denn neben Ärger gibt’s auch Sachen,
die sind - bei allem Ernst - zum Lachen,
dem wenigstens, der außen steht.
Doch wird es langsam jetzt konkret:

Ich will von einem „Ding“ erzählen,
den Lehrernachwuchs erst zu quälen,
bevor man ihn nach Lehr-Attest (!)
mit BAT „Hartz IV“ entlässt,

denn solches widerfährt den meisten.
(Nach Pisa können wir’s uns leisten!!!)
Das „Ding“ heißt „Unterrichtsbesuch“
und ist dem Ref’rendar ein Fluch,

bei dem diverse Schulamtsgrößen
die Pädagogik ihm entblößen,
sodass er, wenn sie wieder geh’n,
erwägt, sich lieber umzuseh’n

nach einem Job als Straßenkehrer,
Fäkalschlamm- oder Tonnen-Leerer,
nur an ein Lehramt glaubt er nicht! -
Hier kommt - konkret jetzt! - mein Bericht:

Ein Schulort, irgendwo in Hessen
(den Namen habe ich vergessen!):
Der Ref’rendar Herr Sowieso*
erwartet „Gäste“ und ist froh,

dass heut’ im Schulhaus ausnahmsweise,
die Heizung läuft (und auch noch leise!),
dass also Schulrat Taubernuss*
und sein Geleit nicht frieren muss,

wenn die den Raum - zwar ungebeten,
doch unabwendbar - gleich betreten.
Die achte Klasse, „8 BH“
ist - bis auf einen - auch schon da.

Der eine steht im Flur als Wache!
(Es geht dabei um diese Sache:
Die Schule hat für jeden Gang
nur einen Schwamm - schon ziemlich lang!

Um heute nun das Schwamm-Begehren
der Nachbarklassen abzuwehren,
bleibt jener „eine“ auf dem Flur.
Die Klasse zählt - nach der Struktur

für Hauptschulzweige - gut drei Dutzend!
Da wird, die Klassengröße nutzend,
recht leicht die Wache heut’ entbehrt!)
Die Lust der Kinder wird vermehrt,

weil Sowieso bei Mädchen, Jungen
sich Disziplin heut’ ausbedungen
für einen Mohrenkopf als Preis!
Zeigt also heute jeder Fleiß,

dann wird’s drei Dutzend „Dickmanns“ geben!
Doch halt, man drückt die Klinke eben,
der Schulrat mit Korona naht
und unser Lehramts-Kandidat

möcht’ nur noch beten oder fliehen.
Jedoch, die Prüfung zu vollziehen,
sitzt man jetzt hinten. Kurz darauf
nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Doch dies in Gänze zu beschreiben,
muss leider heute unterbleiben.
Erreicht ist hier für dieses Mal
die maximale Strophenzahl!




- Manfred Günther -

* Alle Namen und Orte sind geändert.

Der Schauplatz aber war der Hoherodskopf.

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Der Unterrichtsbesuch - Teil 2

erstellt am 26. Oktober 2013


Der Unterrichtsbesuch - Teil 2


Hier also geht die Sache weiter,
wird hintersinnig und auch heiter,
zumindest für die Leserschar -
jedoch nicht für den Ref’rendar!

Der drückt, die Stunde zu beginnen,
das Interesse zu gewinnen,
die Raumverdunkelung auf „an“.
Die Rollos senken sich sodann

und Dämm’rung fällt im Klassenzimmer.
Des Overhead-Projektors Schimmer
verheißt: gleich gibt es was zu seh’n!
Rund fünfundvierzig Köpfe dreh’n

sich schon nach vorne voll Erwarten,
wo gleich wohl Bild-Impulse starten...
Vom Ref’rendar, er wirkt erregt,
wird eine Folie aufgelegt,

um diese vorn zu projizieren.
Danach ganz ohne Zeitverlieren,
betätigt er - man denkt sich’s schon -
den Knopf für „Volle Projektion“.

Doch finster bleibt’s, es will nicht glücken,
den Schalter mit Erfolg zu drücken -
auch nicht beim siebenten Versuch!
Dem Ref’rendar scheint’s wie ein Fluch,

denn neulich ging sie noch, die Birne!
Schon tropft es feucht ihm von der Stirne,
er wähnt sich wie im bösen Traum.
Auch wird es laut im Klassenraum

und nicht nur SchülerInnen nützen,
dass sie des Dunkels Schatten schützen,
wenn sie mit beißendem Humor,
teils einzeln, aber auch im Chor

jetzt rufen: „Ist’s das schon gewesen?“
und „Macht mal Licht, ich möchte lesen!“
und dann zum Spott des Ref’’rendars:
„Her mit den Dickmanns, denn das war’s!“

Noch einer schreit: „Wo sind die Betten?“
Und eine andre: „Ich möcht’ wetten,
das Thema heute ist das Licht!“
Doch leider: Hell wird’s davon nicht!

Nun lässt der Schulrat laut sich hören:
„Herr Ref’rendar, ich will nicht stören,
nur fragen, ob’s nun bald soweit?
Ich habe nämlich keine Zeit,

hier lang in Dunkelhaft zu sitzen.“
Der Ref’rendar - schon eh am Schwitzen -
sucht hektisch jetzt für die Rollos
den Schalter, doch wo ist der bloß?

Jetzt hat er ihn! Und denkt sich eben,
dass die Rollos sich gleich auch heben...
Das tun sie nicht! Im Raum bleibt’s Nacht!
Denn niemand hat daran gedacht,

den Ref’rendar zu unterrichten,
auf die Verdunk’lung zu verzichten,
weil diese - wie er nun erkennt -
sich ganz mit Recht „Verdunk’lung“ nennt:

Es geht hinunter - nicht nach oben,
es sei denn, dass von Hand gehoben,
man die Rollos nach oben schiebt,
natürlich einzeln - wenn’s beliebt!

Ums auf die Spitze nicht zu treiben,
muss dieses freilich unterbleiben,
weil’s dem Herrn Schulrat doch pressiert!
Damit er keine Zeit verliert,

hört darum man (mit Stoßgebeten!)
den Ref’rendar nach vorne treten,
die Deckenlampen anzudreh’n...
und wirklich: Endlich kann man seh’n,

denn zwei von vierzehn Lampen brennen!
Die andern zwölf - wie soll man’s nennen? -
erlitten leider „Birnenschwund“,
und leuchten nicht - aus diesem Grund,

denn Birnen - wie die Schwämme! - „wandern“,
von einem Klassenraum zum andern
und kehren niemals mehr zurück! -
So schließt hier jäh das Trauerstück,

zwei Birnen nämlich - was erklärlich! -
sind für den Unterricht zu spärlich,
das leuchtet allen, nicht allein
Herrn Taubernuss, dem Schulrat, ein. -

Hier noch das Fazit der Geschichte:
Die Sache zeigt in grellem Lichte,
wie dunkel es in Deutschland ist,
wenn man in Watt die Bildung misst!

Und wie ein Gleichnis ist zu lesen,
was alles eben los gewesen
in dieser Stunde ohne Sinn:
Die Bildung dämmert nur dahin,

es fehlen Ziele, „Projektionen“,
„Impulse“, Werte und Visionen,
es fehlt am Wollen und am Geld.
Wird Bildung hintenangestellt

durch Politik in Bund und Ländern,
dann wird sich nie mehr etwas ändern. -
Nehmt endlich wahr, was Pisa spricht
und macht im Haus der Bildung Licht!




- Manfred Günther -

* Alle Namen und Orte sind geändert.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors dem Buch “Nur wenig übertrieben - 100 meist heitere Gedichte.“ entnommen. Ein Benefizbuch für die Arbeitsloseninitiative „Neue Arbeit Vogelsberg“.

Erhältlich beim Autor für 15,- €.
E-Mail: pfr.guenther@onlinehome.de

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GEW Herbstwanderung (20.09.2013)

erstellt am 21. September 2013


Beobachtungen eines Nicht-Lehrers


Wenn Lehrer miteinander wandern,
ist’s auch nicht anders als bei andern!
Als Mensch, der sonst meist drinnen schafft,
sucht er beim Wandern neue Kraft

in frischer Luft, auf schönen Wegen,
von Stress und Hektik abgelegen
und hat nur eins als Ziel dabei:
Entspannung: ganz von Zwecken frei

die Seele einmal baumeln lassen.
Dazu will’s freilich wenig passen,
wenn du als Lehrer Aktivist
beim GEW in Hessen bist.

Hat gar der Vorstand dich geladen,
kann’s schon im Vorfeld selten schaden,
schreibst du „Entspannung“ lieber klein
und stellst dich mehr auf Arbeit ein

und auf des Vorstands Hauptbestreben,
des Lehrers Bildungsstand zu heben,
auf dass du geistig nicht erstarrst,
nicht lebenslänglich dort verharrst,

wo etwa Ref’rendare stehen.
Ist dann noch abends vorgesehen,
dass Freibier und -büffet belohnt,
den, der sich nachmittags nicht schont,

dann hat die GEW gewonnen:
der Traum „Entspannung“ ist zerronnen.
Auch der, der meckert, ändert’s nicht:
Die Kür zum Schluss, zuerst die Pflicht. -

Ein Tag schon fast wie im November
war er, der zwanzigste September:
Im Dauerregen kam man an
(was kaum die Laune heben kann)

am Hoherodskopf im Café
mit Namen „Baumhaus“. Wie ich’s seh’,
ein guter Platz, um dort zu starten.
Doch erst mal hieß es warten, warten…

Weil Lehrer - will es nur so scheinen? -
so wie Studenten häufig meinen,
ein Viertelstündchen nach der Zeit,
beweise rechte Höflichkeit.

„Die zu den Ersten stets gehören,
woll’n eh den Vorstand nur betören!“
So denkt man wohl und hält sich dran
und kommt entsprechend später an.

Doch wechselt bei Kaffee und Torte
schon bald versöhnlich nette Worte,
mit denen, die man lang schon kennt,
mit Du bei ihrem Namen nennt,

und mit der Zeit, ist man ganz ehrlich,
ist alles gar nicht so beschwerlich,
wie man noch auf der Fahrt gedacht.
Schon wird gelächelt und gelacht,

erzählt, wo in den letzten Jahren,
die GEW-ler wandern waren…
und einer fragt, war nicht Herr Mai*,
der Schulrat, damals noch dabei?

Hat der nicht schon um fünf gelallt?
Ja, war das nicht bei Schlitz* im Wald,
in dieser Kneipe ohne Klo? -
Bald ist ein jeder Lehrer froh

und keiner mehr bereut sein Kommen.
Man fühlt sich auf- und angenommen
und ist aufs Weitere gespannt. -
Des Tages Thema war bekannt:

„Ein kleiner Kurs im Geocachen“
(das „a“ ist hier wie „ä“ zu sprächen
und englisch-stämmig offenbar).
Zum Kurs verlässt die Lehrerschar

das Café Baumhaus, geht hinüber
zu einer Tür grad gegenüber,
in der schon stramm ein Ranger steht,
der sagen will, wie’s Cachen geht

und uns, wenn wir mal zu ihm träten,
ausstatten will mit Cache-Geräten
und Infos über GPS.
Die Aktivistenschar indes

ist ob der Technik tief gespalten:
„Ich will kein Cach-Gerät erhalten,
sonst setzt mein Herzschrittmacher aus“,
meint ein Kollege namens Klaus*.

Ich bin empfindlich gegen Strahlen
die machen meiner Leber Qualen“,
sagt jetzt die Babs* aus Grebenhain*.
Drauf hört man Heinz* aus Ulrichstein*,

das sei doch alles Quatsch, er bäte
um eins der GPS-Geräte.
So geht es weiter hin und her.
(Inzwischen drängelt immer mehr

der stramme Ranger, der erwartet
dass jetzt das Geocachen startet,
denn immerhin, es drängt die Zeit:
Man will ja vor der Dunkelheit

nun Grüppchen in den Wald entsenden
und vor der Nacht das Spiel beenden.)
Dann endlich, wenn auch ziemlich spät,
hat jeder Vierte ein Gerät,

und auf Geheiß beginnt das Wählen,
das heißt, von eins bis vier zu zählen,
was jeder gut zustande bringt.
Und so - Gott sei’s gedankt - gelingt

der Plan, in Gruppen einzuteilen.
Bevor sie in den Wald enteilen
bekommt die Gruppe je ein Blatt,
drauf steht, was sie zu suchen hat,

wenn sie nun GPS-geleitet,
die Pfade durch die Wildnis schreitet,
wobei der Ranger noch zuletzt,
im Crash-Kurs auseinandersetzt,

wie GPS-Geräte ticken:
„Hier drehen und da unten klicken
und dann noch hier und da gedrückt...
So funktioniert’s und wenn es glückt,

gibt’s später hier ein Wiedersehen!“ -
Jetzt also los! Nach kurzem Gehen
das erste Ziel: Wir kriegen Mut!
Klappt’s weiter so, dann wird es gut!

Doch leider war das psychologisch:
(im Fall von Lehrern „pädagogisch“)
nur leicht gemacht, dass es so scheint,
es wär‘ nicht schwer und jeder meint,
so geht’s wohl weiter bis zum Schluss.
Das war, wie ich berichten muss,

ein großer Irrtum, denn es kamen
für alle Lehrer, Herrn und Damen,
zwei Stunden Hecheln hin und her,
zum Überfluss auch kreuz und quer,

auf Wiesen, Pfaden und auf Wegen,
von unten Nässe, oben Regen,
von einem Ziel zum nächsten hin
(und stets schon das Büffet im Sinn!)

und immer alles schön notieren,
dann nach dem Schwitzen kommt das Frieren,
auch dunkelt’s schon, uns packt die Hast,
jetzt ist das elfte Ziel verpasst,

die Kälte wird noch immer schlimmer,
da sieht man endlich trauten Schimmer,
der stramme Ranger kommt in Sicht,
hält vor sich ein nur kleines Licht,

doch uns erscheint’s wie Glanz von Eden.
Schnell steigt man, ohne viel zu reden,
verdreckt und müde wie ein Schwein,
am Parkplatz in sein Auto ein

und mancher gibt sich das Versprechen,
nie wieder geh ich geocachen,
zumindest nicht, wenn so wie heut’
von oben Dauerregen dräut

und Wiesen sich als Sumpf erweisen. -
Es ist vollbracht! Wir fahr’n zum Speisen;
die Taufsteinhütte ist das Ziel.
Vergessen ist das Caching-Spiel,

vorbei das Frieren und das Schwitzen.
Wir sitzen gut auf unsern Sitzen
und lassen Reden (an die zehn!)
des Vorstands über uns ergeh’n

und sind doch längst in unsern Träumen
in des Lokales Nebenräumen,
aus denen Tellerklirren klingt
und Duft von Steaks und Schnitzel dringt.

Denn dort sind die Bedienungsfrauen,
beschäftigt das Büffet zu bauen,
aus Schweinenacken, Tafelspitz,
aus Lende, Bohnen und Pommfritz,

dem’s schon gelungen ist, das Denken
und Sehnen derart abzulenken,
dass mancher jetzt (doch nur im Traum!),
sich schon ergeht im Nebenraum,

um dort, es fallen Anstandshüllen,
sich gleich drei Teller vollzufüllen...
Da endlich sind die Reden aus.
Der Hunger treibt die Schar hinaus

nach dort, wo sich die Tische biegen
und alle zur Genüge kriegen,
was Leib und Geist zusammenhält. -
Danach - nun wieder hergestellt -

erscheint des Tages Müh‘ und Plage
ganz klein, wir hören keine Klage
wie in den Stunden noch zuvor.
Vielmehr man sagt es wie im Chor:

„Was sind im Herbst die Wanderungen
so lehrreich, nahrhaft und gelungen!
Die GEW ist wunderbar!
Wir kommen wieder nächstes Jahr!“




- Manfred Günther -

* Alle Namen und Orte sind geändert.

Der Schauplatz aber war der Hoherodskopf.

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